Die Abbildung zeigt ein Saitengalvanometer, welches für die Messung kleinster elektrischer Signale Verwendung fand. Autor: A. Patzak

Historische Instrumentensammlung

Wissenschaftlicher Fortschritt in der Physiologie, als einem experimentellen Fach, hängt ganz entscheidend von der Entwicklung der Untersuchungsgeräte bzw. Methoden ab. Die Historische Instrumentensammlung verfügt über zahlreiche originale Instrumente aus den Anfängen physiologischer Forschungstätigkeit. Sie zeigt eindrucksvoll, wie eng physiologische Erkenntnisse und technische Entwicklung zusammenhängen.

Sie befinden sich hier:

Instrumentensammlung der Physiologie

Die Historische Instrumentensammlung der Physiologie der Charité wurde in den 1980er Jahren aus Objekten aufgebaut, die zum Teil noch aus der Gerätesammlung des Instituts in der Dorotheenstraße stammen. Im Jahr 1999 wurde eine umfassende ständige Ausstellung der historischen Instrumentensammlung in den Räumen des Instituts in der Tucholskystraße 2 eröffnet und war öffentlich zugänglich.

Aktuell sind nach mehreren Umzügen und dem damit verbundenen Verlust der Ausstellungsfläche einige Geräte im Foyer des CharitéCrossOver am Campus Mitte zu sehen. Das Medizinhistorische Museum hat ebenfalls einige Exponate in seine ständige Ausstellung einbezogen. Der Katalog zur Historischen Instrumentensammlung kann im Medizinhistorischen Museum der Charité erworben werden.

Beispiele aus der historischen Instrumentensammlung des Instituts

Einleitung zur Historischen Instrumentensammlung

Aus dem Vorwort des Ausstellungskatalogs

Der vorliegende Katalog stellt - dank der Unterstützung durch die Stiftung der Deutschen Klassenlotterie Berlin - eine Sammlung historischer Instrumente für physiologische und biologische Forschung in Bild und Text vor. Diese Gerätschaften wurden zufällig bei einer Bodenentrümpelung im Physiologischen Institut der Charité in der Hessischen Straße gefunden. Nach alten Inventarisierungsmarken sind wir sicher, dass sie einst zu der Instrumentensammlung gehörten, die sich im Saal links neben dem Eingang zum Institut in der Dorotheenstraße befand, das von Emil du Bois-Reymond gegründet und 1877 eröffnet wurde. Ein Teil dieser Geräte befindet sich in so schlechtem Zustand, dass sie noch nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden können.

Ein anderer "noch nicht sichtbarer" Teil der Sammlung betrifft Geräte, die voll funktionstüchtig sind und das technische Knowhow analoger Funktionsmesstechnik der letzten beiden DDR-Jahrzehnte widerspiegeln - und so das Physiologische Praktikum wie die physiologische Forschung jener Jahre prägten. Gehören sie deshalb in den Schrott, nur weil sie dem technischen Fortschritt zur digitalen Mess- und automatisierten Auswerttechnik weichen mussten?

Beispiele unserer Sammlung machen deutlich, dass wirklicher erkenntnistheoretischer Fortschritt in der Physiologie stets auch an neue methodische Wege gebunden war, dem prinzipielle Lösungsvorschläge durch die Physik und Chemie vorausgegangen sind. Integrierte und miniaturisierte Bausteine haben es dadurch ermöglicht, dass sich der Arbeitsgegenstand der Physiologie immer mehr auch in den Mikrokosmos verlagern konnte. Aber die Anschaulichkeit, wie sich ein physiologischer Prozess in eine Messwertfunktion umsetzt, was in so einmaliger Weise dem Physiologen Carl Ludwig mit seiner Erfindung des Kymographions 1846 gelang und damit die Physiologie aus der Umklammerung der Anatomie löste, ist weitgehend verloren gegangen. Wäre es da nicht sinnvoll, diese nun veralteten, aber anschaulichen Gerätschaften für schöpferisches interaktives Spielen mit ihnen vorzubereiten? Denn das Erlernen und Begreifen eines komplexen physiologischen Prozesses fällt leichter, wenn man weiß, wie und womit er erfasst wurde.

Im Katalog sind die Instrumente zu Themengruppen zusammengestellt worden, die selbstverständlich nicht einer gerätetechnischen Systematik folgen, sondern sich um die vorhandenen Gerätschaften gruppieren. Jedem Thema wurde eine kurze wissenschaftshistorische Einführung vorangestellt, bevor die Exponate näher beschrieben werden. Dabei wurde auf Angaben wie Maße, Materialien u.ä. weitgehend verzichtet, sie sind aber für spezielle Interessenten erhältlich. Um die Attraktivität dieses Katalogs zu steigern, wurden drei Aufsätze über die Geschichte des Johannes-Müller-Instituts aufgenommen und eine CD zum Katalog erstellt, die einige historische Versuche "reanimiert" und alle Bilder des Katalogs für eine brillante Präsentation enthält.

Der Erlös dieses Katalogs ist für den weiteren Ausbau des historischen und dieses pädagogisch sinnvollen Teilbereichs unserer historischen Instrumentensammlung vorgesehen.


Prof. Dr. Uwe Heinemann

Bildbeispiele aus dem Katalog

Blutdruckmanometer nach Ludwig, nach 1868

Blutdruckmanometer nach Ludwig, nach 1868
Blutdruckmanometer nach Ludwig, nach 1868

Atempumpe, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Originalgerät rekonstruiert

Atempumpe, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Originalgerät rekonstruiert
Atempumpe, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Originalgerät rekonstruiert

Augenspiegel nach Helmholtz, 1851, Originalgerät

Augenspiegel nach Helmholtz, 1851, Originalgerät
Augenspiegel nach Helmholtz, 1851, Originalgerät

Chronaximetriegerät, Institutseigenbau, um 1950

Chronaximetriegerät, Institutseigenbau, um 1950
Chronaximetriegerät, Institutseigenbau, um 1950

Elektrisiergerät "OFRA", 1929

Elektrisiergerät "OFRA", 1929
Elektrisiergerät "OFRA", 1929

Gerät zur Bestimmung der absoluten Muskelkraft, Mitte des 19. Jahrhunderts, Originalgerät

Gerät zur Bestimmung der absoluten Muskelkraft, Mitte des 19. Jahrhunderts, Originalgerät
Gerät zur Bestimmung der absoluten Muskelkraft, Mitte des 19. Jahrhunderts, Originalgerät

Messoszilloskop, welches zur Entwicklung der "patch-clamp"-Methode von Bert Sakmann und Erwin Neher verwendet wurde. Geschenk von Erwin Neher.

Messoszilloskop, welches zur Entwicklung der "patch-clamp"-Methode von Bert Sakmann und Erwin Neher verwendet wurde. Geschenk von Erwin Neher.
Messoszilloskop, welches zur Entwicklung der "patch-clamp"-Methode von Bert Sakmann und Erwin Neher verwendet wurde. Geschenk von Erwin Neher.

Mittelohrmodell, etwa 1900, Holz, Leder, Zwirn, Stahl, Messing

Mittelohrmodell, etwa 1900, Holz, Leder, Zwirn, Stahl, Messing
Mittelohrmodell, etwa 1900, Holz, Leder, Zwirn, Stahl, Messing

Metronom mit elektrischen Kontakten, etwa 1920

Metronom mit elektrischen Kontakten, etwa 1920
Metronom mit elektrischen Kontakten, etwa 1920

Katalogbestellung

Bestellen Sie den Katalog zur Historischen Instrumentensammlung

Historische Instrumentensammlung Johannes-Müller-Institut für Physiologie
Historische Instrumentensammlung
Johannes-Müller-Institut für Physiologie

Sie können den Katalog zur Instrumentensammlung bestellen.

Titel:

Historische Instrumentensammlung
Johannes-Müller-Institut für Physiologie


Katalog mit CD

120 Seiten/ zahlreiche Farbabbildungen

Herausgeber:
Johannes-Müller-Institut für Physiologie
Universitätsklinikum Charité
Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Tucholskystr. 2
10117 Berlin


€ 9,00

zu beziehen über:

Berliner Medizinhistorisches Museum